Pastoralkonzept

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Pastoralkonzept der Pfarreiengemeinschaft „Neuss – Rund um die Erftmündung“

Im Auftrag Gottes den Menschen dienen!

1    Auftrag
Wir sehen als tiefsten Grund unserer individuellen und zugleich gemeinsamen Berufung den Auftrag Gottes, für die Menschen da zu sein.
Dieser Auftrag ist die Verkündigung der frohen Botschaft in Wort und Tat. Wir verkünden sie nicht in eigener Sache, sondern als Mitarbeiter im Weinberg des Herrn. Wir sollen sowohl Kundschafter des Glaubens als auch Wegbegleiter der Menschen sein. Die Verkündigung der frohen Botschaft soll die Menschen und ihren Glauben stärken. Sie sollen dadurch befähigt und bestärkt werden, in eine lebendige Beziehung zu Gott und seiner Kirche einzutreten.

2    Grundsätze des Handelns
Wir wollen glaubwürdige Zeugen der Frohen Botschaft sein, wenn wir Menschen begleiten und mit ihnen das Leben mit seinen Höhen und Tiefen teilen.
Wir wollen bei unserem Handeln (Feier der Gottesdienste, Verkündigung der Botschaft, Dienst an den Menschen) Freude und Hoffnung ausstrahlen.
Wir legen Wert auf eine freundliche, zugewandte und offene Atmosphäre, in der Zeit und Raum für personale Begegnung ist. Wir wollen hinhören und hinsehen auf das, was die Menschen um uns herum bewegt.

3    Ziele
Die Ziele unseres Handelns liegen in folgenden Bereichen I) Caritas, II) Familie, III) Liturgie, IV) Mission und V) Verkündigung.

I: Caritas

Wir sehen:

  1. Caritas ist ein wesentlicher Lebensvollzug der Kirche; sie ist eine Antwort der Christen und der Pfarrgemeinde auf die geschenkte Liebe Gottes. Caritas ist Dienst an Menschen in Not – ohne Ausnahme. Zugleich dient sie auch der Bekämpfung von Ursachen der Armut („politische Caritas“).
  2. In unseren vier Gemeinden gibt es unterschiedliche Bedarfe der caritativen Hilfe. Eine zahlenmäßig starke Zielgruppe sind ältere Mitmenschen. In der allgemeinen Caritasarbeit gibt es über die Pfarrbüros und die Seelsorger gute Möglichkeiten, Hilfe auf schnellem Weg zu bekommen. Das katholische Familienzentrum, bestehend aus fünf Kindertagesstätten, bietet seiner Zielgruppe Unterstützung und Hilfe. Zwei Gemeinden sind in die Gemeinwesenarbeit der Stadtteile integriert.
  3. Ehrenamtliches Engagement wird durch unterschiedliche Gruppen wahrgenommen: Pfarrcaritasgruppe, Ortsausschuss, Wohnviertelhelfer oder kfd.
  4. Die Caritassammlung lässt sich als Haussammlung kaum noch aufrechterhalten und wird zumeist durch Überweisungsträger im Pfarrbrief abgelöst oder ergänzt. Andere kreative Ideen werden ausprobiert.
  5. Besuchsdienste gibt es nach Möglichkeit in jeder Pfarrei. Zum Teil funktioniert auch Nachbarschaftshilfe noch gut. Dabei sehen wir schon, dass die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten, hoch ist. Nur wenige Hilfsbedürftige melden sich direkt bei uns. Bedarfe sind von unserer Seite schwierig zu ermitteln.

Wir urteilen:

  1. In der Einzelfall- und Finanzhilfe ist es wichtig, dass die Gemeindemitglieder die Hemmschwelle überwinden und sich in Not über das Pfarrbüro an den jeweiligen Seelsorger vor Ort wenden. Im „Erstgespräch“ kann konkret Hilfe geplant werden (finanziell im Rahmen von zeitlicher Notwendigkeit- keine längerfristige Unterstützung). Wenn nötig werden Hilfsbedürftige an Fachkräfte weiter geleitet. Eine gute Kenntnis der „professionellen“ Hilfsangebote, Institutionen und Behörden ist dabei sehr hilfreich.
  2. Die Kindertagesstätten haben als gemeinsames Familienzentrum die Möglichkeit, Not wahrzunehmen und Hilfe anzubieten bzw. durch gute Vernetzung weiterzuvermitteln.
  3. Die Mitarbeit in den örtlichen Seniorenheimen durch ehrenamtliche Helfer ist ein wichtiger Schritt, die Verbindung von Gemeinde und Bewohnern herzustellen.
  4. Seniorenarbeit, die nicht Bildungsarbeit ist, hat auch die Bedürftigkeit der alten Menschen nach Kontakt, Unterhaltung und Anregung im Blick.

Wir handeln:

  1. Wir wollen alle Gemeindemitglieder immer wieder aufmerksam machen, die Not eines anderen zu sehen. Entweder kann in „Nachbarschaftshilfe“ bereits geholfen werden oder an die Pfarrei weiter vermittelt werden. Der Caritassonntag, Pfarrbriefartikel und andere Aktionen können die Aufmerksamkeit hierfür erhalten.
  2. Die Caritassammlungen (und damit die finanzielle Grundlage) werden weiterhin von den Gemeinden ernst genommen und verantwortet. Dabei müssen neue Ideen entwickelt werden, wie Geld gesammelt werden kann: Überweisungsträger, Caritasaktionen wie Kuchenverkauf und andere Aktionen zu Gunsten der Pfarrcaritas.
  3. Besuchsdienste sollen weiter in der Pfarreiengemeinschaft ausgebaut werden: Krankenhausbesuchsdienst, aber auch Krankenbesuchsdienst zu Hause und Geburtstagsbesuchsdienste für Senioren. Dabei sollen die Helfer Wertschätzung und Begleitung erfahren und durch außergemeindliche Weiterbildung gefördert werden.
  4. Darüber hinaus soll es Hilfsangebote für ältere, kranke oder pflegende Gemeindemitglieder geben, die auf deren Bedürfnisse abgestimmt sind (z. B. Einkauf, Vorlesen, Spazieren gehen etc.) Die Koordination der Bedarfe und der konkreten Helfer muss in der Pfarrei von einem Verantwortlichen übernommen werden: Pfarrbüro, Seelsorger oder Pfarrcaritasgruppe, ersatzweise ein Ansprechpartner des Ortsausschusses.

 

II: Familie

Wir sehen:

  1. In unseren Pfarreien sind die sozialen Rahmenbedingungen für Familien sehr unterschiedlich.
  2. Alle fünf Kindertagesstätten bilden ein Familienzentrum.
  3. Familie ist „Kirche im Kleinen“. Diese Hauskirche ist für die Kirche eine wichtige Grundlage. Aber das Bewusstsein eines christlich geprägten Familienlebens (Erziehung in christlichen Grundwerten, christliche Rituale im Familienalltag, Weitergabe des Glaubens und biblischer Grundlagen, Leben im Kirchenjahr) ist nicht mehr selbstverständlich und muss unterstützt bzw. gestärkt werden. Familie hat in unserer Pfarreiengemeinschaft eine wichtige Bedeutung und bedarf des Schutzes und der Begleitung.
  4. Patchworkfamilien und Familien mit Alleinerziehenden sind in den Gemeinden häufig anzutreffen.
  5. Die Berufssituation von Frauen wird durch die größeren Betreuungsangebote gestärkt und verändert das ehrenamtliche Engagement in den Gemeinden.
  6. Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien sind in allen Gemeinden vorhanden und vielfältig.

Wir urteilen:

  1. Die Sorge um die Familien ist unerlässlich für die Zukunft der Kirche. Die Wertschätzung verschiedener Lebensformen von Familie muss Grundlage unserer Arbeit sein. Angebote sind Hilfestellungen für die Bewältigung des Alltags, Einübung in den Glauben  und Stärkung der Gemeinschaft.
  2. Jugendliche sind nicht nur Adressaten unserer Bemühungen, sondern müssen auch Mitgestalter sein.
  3. Das pastorale Handeln beginnt schon bei der Eheschließung, führt sich fort über die Taufvorbereitung, Spielgruppen, die Kindertagesstätten, den Kommunionkurs, Kindergruppen und Jugendarbeit bis hin zum Firmkurs. Darüber hinaus muss Jugendarbeit zu christlichen Lebensentscheidung befähigen (z. B. Ehe, geistliche Berufe, Ordensleben)
  4. Die Familienpastoral schließt ebenfalls besondere Gottesdienstformen ein wie z. B. Kita- und Schulgottesdienste, Kleine Kirche, Kirchenmaus, Familienmesse, Jugendmesse, Spät- und Frühschichten.

Wir handeln:

  1. Ein Schwerpunkt der nächsten Zeit wird die Taufpastoral sein. Diese beginnt bereits bei der Neugeborenenbegrüßung und soll nach der Taufe fortgeführt werden. Es gilt, Familien in andere Angebote einzubinden bzw. zu vernetzen, z. B. durch die Bildung von Familiengruppen.
  2. Die Messdiener-, Verbands- und Pfarrjugendarbeiten werden besonders unterstützt, da sie sowohl Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche darstellen und diese damit in die Gemeinde einbinden als auch eine besondere Form der Glaubensorientierung verstärken können. Alle Jugendvertreter der Gemeinden vernetzen sich im Jugendausschuss des PGR.
  3. Kindertagesstätten und Grundschulen haben den Überblick über die Situationen des Familienlebens und können Hilfestellungen bieten, wenn dies nötig ist. Die Verbindung mit der Pfarrgemeinde hilft bei der religiösen Erziehung und bietet Möglichkeiten der Einbindung in das Gemeindeleben.
  4. Liturgisch gibt es verschiedene Angebote nach dem Bedarf der Zielgruppe (s.o.). Diese können auch hinführend sein zur gemeinsamen sonntäglichen Messfeier.

III: Liturgie

Wir sehen:

  1. Das 2. vatikanische Konzil betont, dass die Eucharistiefeier „der Höhepunkt [ist], dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“.
  2. In jeder unserer vier Gemeinden wird eine Messfeier am Sonntag und eine an jedem zweiten Samstag gefeiert. Es gibt in jeder Gemeinde in der Woche eine Messfeier am Morgen und eine am Abend. In den Sommerferien gilt eine gekürzte Gottesdienstregelung.
  3. Außerdem gibt es in jeder Pfarrkirche und den Altenheimen u.a. Wortgottesdienste und Andachten und lokal Stundengebet, Taizé-Gebet, Früh- und Spätschichten, eucharistische Anbetung. Diese Formen werden von Haupt- und Ehrenamtlichen getragen.
  4. Für Taufen außerhalb einer Messfeier gibt es feste Termine, Trauungen finden nach Bedarf statt. Exequien finden im Rahmen der Werktagsmessen statt.
  5. Das Seelsorgeteam besteht zurzeit aus zwei Priestern, einem Diakon und einer Gemeindereferentin. Zwei Küster sind für jeweils zwei Gemeinden zuständig. Außer dem Seelsorgebereichsmusiker gibt es einen Organisten mit Teilzeitstelle.
  6. Mitarbeit von Laien geschieht in Vorbereitungskreisen und durch Einzelne.

Wir urteilen:

  1. Durch den Priestermangel ist die mögliche Zahl von Eucharistiefeiern stark begrenzt. Die aktuelle Gottesdienstordnung schützt die Seelsorger vor Überlastung. Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was möglich und dem, was wünschenswert ist. Dies gilt auch für die Anzahl der Menschen, die an den Gottesdiensten teilnehmen.
  2. Die Planung und Durchführung von nicht-eucharistischen Gottesdiensten durch haupt- und ehrenamtliche Laien ist nötig und gleichzeitig eine Chance, die eigenen Charismen einzusetzen und den durch Taufe und Firmung gegebenen Auftrag zu leben.

Wir handeln:

  1. Oberstes Ziel bleibt die zumutbare Erreichbarkeit von Eucharistiefeiern für alle Gläubigen.
  2. Die Kirchen sind täglich zum Gebet geöffnet.
  3. Die Vielfalt der liturgischen Formen in den einzelnen Gemeinden soll erhalten bleiben, unter Berücksichtigung der zeitlichen Ressourcen und Kompetenz der Ehrenamtlichen, die nicht-eucharistische Gottesdienste gestalten und durchführen.
  4. Die Kompetenz der Laien wird sowohl durch Schulung von außen als auch durch Begleitung durch das Seelsorgeteam gefördert.

 

IV: Mission

Wir sehen:

Das 2. vatikanische Konzil sagt: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch.“ Ihre Mission ist die Sendung zu den Menschen. Diese Mission verwirklichen wir zum einen durch überregionale und weltweite Projekte und Partnerschaften (Albanien, Ugande, Aktion Sternsinger etc.) und zum  anderen durch die vielfältige Kontaktaufnahme innerhalb unserer Pfarreiengemeinschaft. Das Anbieten und in Berührung bringen mit unserem Glauben geschieht dabei vielfach über die klassischen Wege der Gemeindespastoral wie z. B. der Sakramentenkatechese.

Wir urteilen:

Der Glaubensschwund und auch die kritische Einstellung gegenüber der katholischen Kirche in der Gesellschaft erfordern ein mutiges und offenes Zugehen auf die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung. Denn die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens führt viele Menschen immer wieder in die Auseinandersetzung mit ihrem Glauben. Die klassischen Formen kirchlicher Religiosität und die damit einhergehenden Erwartungshaltungen werden jedoch oftmals als Barrieren wahrgenommen.

  1. Wir sehen die Erstkontakte mit Tauffamilien/Neuzugezogenen als Basis für das einander Kennenlernen und das künftige umeinander Wissen.
  2. Die vorhandenen Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit werden noch nicht voll ausgeschöpft.

Wir handeln:

  1. So möchten wir eine einladende Pfarreiengemeinschaft sein, die insbesondere aufgrund der Neubausiedlungen auf die jungen Tauffamilien zugeht,  um ihnen einen Neu- oder Wiedereinstieg in das kirchliche Leben zu eröffnen. Der Erstkontakt erfolgt zumeist über das Taufgespräch. Ein Jahrestreffen der Täuflingsfamilien soll das gegenseitige Kennenlernen ermöglichen und die einladende und offene Haltung fördern.
  2. Es gilt eine Entscheidung darüber zu treffen, wie eine Neubelebung und Vertiefung des Glaubens in unserer Pfarreiengemeinschaft geschehen kann.
  3. Der Informationsfluss über die bestehenden Angebote in unserer Pfarreiengemeinschaft soll über die bewährten Kanäle (Pfarrnachrichten, Vermeldungen, Pfarrbrief, Schaukasten) weiter geschehen. Der Internetauftritt soll hierbei künftig unsere Pfarreiengemeinschaft und ihre Angebote in einer übersichtlicheren und aktuelleren Form bekannt machen.
  4. Die partnerschaftlichen Projekte in der Welt bleiben weiterhin ein bewährter Weg, dass solidarische Bewusstsein und Handeln zu stärken. Die bischöflichen Hilfswerke und ihre Angebote wollen wir weiter im Blick behalten

 

V: Verkündigung

Wir sehen:

Sowohl Sakramenten-Katechese (Taufe, Erstkommunion, Firmung) als auch weitergehende katechetische Angebote sind in allen vier Gemeinden des Pfarrverbandes vorhanden.

 

Wir urteilen:

Die katechetischen Angebote sind ausreichend vielfältig. Dieser Zustand kann nur durch weiterhin hohes, ehrenamtliches Engagement und hauptamtliche Arbeit aufrechterhalten werden.

Wir handeln:

  1. Die Organisationsstrukturen für die Sakramentenkatechese (auch Tauf- und Firmkurse für Erwachsene) sollen beibehalten werden. Wir bemühen uns, immer wieder neue ehrenamtliche Mitarbeiter dafür zu begeistern und sie durch differenzierte Formen der Ausbildung und begleitenden Schulung zu unterstützen. Die Taufpastoral soll einen Schwerpunkt bilden.
  2. Im Bereich der Katechese sind viele, auch neue Angebote, durch die Seelsorger und durch Ehrenamtliche vorhanden.
  3. Die Glaubensvermittlung für Kinder erfolgt u.a. durch die Kita-Arbeit, Kinderbibeltage und Kooperationen mit den örtlichen Schule.
  4. Glaubensgespräche für Erwachsene und andere Formen der Erwachsenenbildung werden  zielgruppengerecht angeboten. Sie unterstützen in Glaubensfragen, setzen ökumenische Akzente, können auch Lebenshilfe anbieten. Neue Formen dialogischer Glaubensverkündigung werden ausprobiert (Glaubensforum, Gespräche am Brunnen).
  5. In liturgischen Angeboten wie Messfeiern und Andachten für alle Altersgruppen (Schulgottesdienst, „Kleine Kirche“, Jugendmessen u.a.) findet Verkündigung statt.
  6. Die Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk als Ergänzung der Katechese wurde begonnen und soll vertieft werden.